Kategorie: Kunst & Kultur

21.08.2014 „Ein Ort erzählt“ von Oliver Henkel

„EIN ORT ERZÄHLT – Die Autobiographie der Lokfelder Brücke“

Diese Geschichte wurde 2014 geschrieben von unserem lieben Freund und Vereinsmitglied, Oliver Henkel. Sie ist ein wirklich besonderes Geschenk zum Jubiläum „825 Jahre Lokfeld“. Als Grundlage diente gesammeltes Material aus der Geschichtsgruppe des Förder- und Kulturvereins Lokfelder Brücke e.V., zusammen mit Olivers eigenen Recherchen. Die Idee entstand gemeinsam im Winter zuvor, nach dem Wunsch, die Geschichte der Lokfelder Brücke auf die besondere Art und Weise erzählen zu können, wie wir sie hier seit Jahren erleben und sie früher gewesen sein könnte. Das Resultat entspricht dem „Geist der Lokfelder Brücke“ so sehr und ist zugleich ein fantastisches Original des Lübecker Schriftstellers, dass wir wirklich bewegt waren, als wir sie das erste Mal von Oliver hören durften. Von der Vor- und Frühgeschichte im Travetal, zur Siedlungsgeschichte Lokfelds um 1189, über die gelebte Geschichte der letzten Jahrzehnte einer guten alten Gaststätte, bis zu den bisher erlebten Jahren seit 2006 hier an diesem Fluss – laden wir euch ein zu lauschen und zu leben, erfahren und begegnen, dem Geist an einem Ort, wo wir nimmer wollen fort…

Lesungen:

Die gesamte Geschichte als PDF zum Download: 2014-08-21 Ein Ort erzählt

Leseprobe:

„Ich habe schon viele Nächte erlebt. Wie viele, vermag ich nicht zu sagen. Und manchmal,
wenn mich die Dunkelheit umfängt und schleichend Stille einkehrt, frage ich mich, wie es
wohl sein mag, schlafen zu können. Dann verspüre ich den Wunsch, Augen zu haben, die
ich schließen könnte, um einfach nur zu ruhen. Doch ich weiß, dass ich niemals Schlaf
finden werde. So lausche ich in die Nächte, höre das leise Gurgeln des Flusses, das
Rascheln der Mäuse im Unterholz, und warte darauf, dass ein weiterer Morgen weit im
Osten graurot heraufzudämmern beginnt.
Zahllose dieser langen, finsteren Nachtstunden habe ich damit zugebracht, mich zu
fragen, wer ich wohl bin. Doch eigentlich weiß ich es. Ich habe es schon immer gewusst,
so lange meine Erinnerung zurückreicht, bis sie sich in fernen Nebeln verliert. Denn ich bin
der Geist der Lokfelder Brücke.
Nicht der Geist der Häuser, die an dieser Stelle errichtet wurden. Häuser entstehen
und vergehen. Auch nicht der Geist der Brücke, die hier die Trave überspannt. Ich kannte
diese Ufer schon undenklich lange, bevor sie durch eine Brücke verbunden wurden. Ich
bin nicht einmal der Geist der Trave, die immerfort dahinfließt, beständig nur in ihrem ewig
gleichzeitigen Kommen und Gehen, während ich verharre. Nein, ich bin die Summe all
dessen, aber auch viel mehr als das und zugleich etwas ganz anderes.
Mehr als alles andere bin ich wohl die Essenz der vielen Menschen, die hierher
kamen. Denn wo feste Ufer und ruhig strömendes Wasser eine Stelle schaffen, an der
man einen Fluss überqueren kann, da finden sich unweigerlich Menschen zusammen.
Und während sie für Stunden oder auch Tage darauf warten, dass der Nachen des
Fährmanns sie übersetzen kann oder die Furt passierbar wird, sitzen sie beieinander,
unterhalten sich, trinken miteinander, lachen und singen, streiten und weinen. Dann
werden ihre Gedanken, ihre Hoffnungen und Ängste, ihr Wissen und alles, was sie in sich
tragen, ein Teil von mir.
So sehr haben diese Menschen mein Wesen geprägt, dass ihr erstes Erscheinen
den frühesten Punkt meiner Erinnerung darstellt. Alles davor ist ein zeitloses schwarzes
Nichts. Sie kamen vor undenklichen Zeiten, in Tierfelle gekleidet, verängstigte Wanderer in
einer Welt voller Gefahren. Sie tauchten aus den dichten Wäldern auf, entfachten Feuer
und lagerten für eine Weile an dem noch namenlosen Fluss, der ihnen reichlich Wasser
und Fische schenkte, damit ihre Kinder und Alten sich erholen konnten. Und ohne dass sie
es wussten, teilten sie mit mir, was sie ausmachte. Wenn sie nachts zu den Sternen
aufblickten, fragten sie sich, wie es wohl ihren toten Ahnen ergehen mochte, sie sorgten
sich darum, ob es entlang des Flusses ausreichend Wild geben würde, sie grübelten, wie
sie die scharfkantigen Steinsplitter mit Hilfe von geflochtenem Gras am besten an Stöcken
befestigen könnten. Aber was immer sie auch taten, sie fühlten sich wohl an diesem Ort.
Ich spürte ihre Zufriedenheit, sie durchdrang und erfüllte mich mit einer ruhigen Wärme.
Doch sie stimmte mich auch traurig, weil ich wusste, dass diese Menschen weiterziehen
würden, wie es ihre Art zu leben verlangte. So kam es dann auch. Als sie schließlich
aufbrachen, ließen sie eine große Stille zurück. Und ich, aus einem Schlummer erwacht, in
den ich nicht wieder zurückfand, begann zu warten.
Ich musste lange warten. Dann und wann trug das Wasser der Trave eine vage
Ahnung mit sich, dass Menschen weiter flussaufwärts die Strömung durchwatet oder an
den Ufern gerastet hatten. Flüchtige Eindrücke nur, die rasch vorüberzogen. Doch der Ort,
dem ich innewohne, war zu abgelegen. Niemand hatte Grund, hierher zu kommen,
niemand verirrte sich hierher. Sommer und Winter vergingen, Jahre und Jahrhunderte
zogen vorüber, in denen ich alleine mit mir selbst blieb.
Schließlich aber kehrten eines Frühjahrs die Menschen zurück. Und nun erst merkte
ich, wie viel Zeit verstrichen sein musste, denn sie hatten sich verändert. Größer waren sie
geworden, und statt Fellen trugen sie Kleidung aus grob gewebtem Leinen. Aber nicht nur
ihr Erscheinungsbild war ganz anders, als ich es in Erinnerung hatte. Auch in ihnen sah es
anders aus. Sie hatten sich eine Vorstellung davon erschaffen, warum die Welt, in der sie
sich befanden, so war, wie sie war. Sie hatten den übermächtigen Kräften der Natur, von
denen ihr Überleben abhing, Namen und Gestalten zugewiesen und somit gebändigt, um
nicht unentwegt in Angst vor dem Unerklärlichen zu leben. Die Furcht hatte sich in
Ehrfurcht verwandelt.
Es war nur wenige Männer, die an einem feuchten, nebelverhangenen Tag aus dem
Wald traten. Stundenlang hatten sie sich ihren Weg durch das dichte Unterholz gebahnt;
nun ließen sie sich erschöpft am Ufer nieder. Sie hatten sich mit ihren Familien in der
Nähe niedergelassen und erkundeten nun die Gegend, in der sie fortan leben würden.
Während sie sich ausruhten und beratschlagten, ob sie umkehren oder weitergehen
wollten, bemerkte einer von ihnen, dass der Fluss, der zu jener Zeit mehrfach so breit war
wie heute, an dieser Stelle seicht genug zum Durchwaten aussah. Zwei von ihnen
versuchten es, nachdem sie die Wassergeister, die sie dort vermuteten, um Vergebung für
das Eindringen in ihr Reich gebeten hatten. Indem sie sich vorsichtig Schritt für Schritt
vorantasteten und den Boden vor sich mit langen Stöcken nach Untiefen absuchten,
durchquerten sie den grünlichtrüben Strom. Mit nassen Beinen, doch ansonsten
wohlbehalten, gelangten sie zum gegenüberliegenden Ufer, sahen sich dort um und
kehrten dann wieder zurück. Sie waren zufrieden mit der Furt, die sie entdeckt hatten. Und
auch ich war glücklich. Denn es bedeutete, dass öfters Menschen kommen würden, um an dieser Stelle von einem Ufer ans andere zu wechseln. Dann, bevor die Männer sich auf
den Weg machten, um vor Einbruch der Nacht wieder bei ihren Höfen zu zu sein,
ereignete sich noch etwas, von dem ich nicht ahnen konnte, wie lange es mich begleiten
würde. Sie bezeichneten den Fluss, den sie vorgefunden und überwunden hatten,
untereinander als Treva. Es war nicht als Name gedacht, denn in ihrer Sprache bedeutete
es einfach nur Fluss. Und dennoch schien sich das Wort in diesem Moment untrennbar mit dem träge strömenden Wasser, mit dem Ort und somit auch mit mir zu verbinden. Etwas hatte sich verändert.
Von nun an sah ich tatsächlich häufiger Menschen. …
…
Es ging nicht so weiter. Die Zeiten änderten sich, und die Lokfelder Brücke musste
schließen. Nach sieben langen Jahrhunderten gab es kein Gasthaus mehr am Ufer der
Trave, keine Feiern, keine Menschen, die sich um die Tische versammelten und sich
unterhielten. Drückende Stille kehrte im Saal ein. Die Autos fuhren vorüber, ohne dass ihre
Insassen den Ort spürten. Ich fühlte mich schrecklich verlassen.
Doch es sollte nicht so bleiben. Das Leben kehrte in die Lokfelder Brücke zurück.
Und ich genieße seither wieder jede Gelegenheit, den Bewohnern und Gästen, die hier
zusammenkommen, meine Geschenke zu überreichen. Der gute Geist der Lokfelder
Brücke wirkt weiter. Und so wird es bleiben. Ich weiß es.“

 

 

 

Oliver Henkel:

20.08.2014 LN „Brückenschlag über die Trave“

Neuer Zeitungsartikel über unsere Traveträume am 23.08.2014 in den Lübecker Nachrichten. Vielen Dank an Oda Rose-Oertel, das Interview hat richtig Spaß gemacht! 🙂

2014-08-20 LN Brückenschlag 23.08.14

(Zum Download als PDF bitte hier klicken)

Quelle: Lübecker Nachrichten (Stormarn) vom 20.08.2014

Offener Bücherschrank

Unser „offener Bücherschrank“ steht jederzeit frei zugänglich und geschützt im Infopoint (Flur zum Saal, die Haustür ist nicht verschlossen). Jeder ist herzlich eingeladen hier zu stöbern und Bücher mitzunehmen. Wir bekommen mehr Bücher als mitgenommen werden, daher ist das Regal meist voll und wir sortieren von Zeit zu Zeit aus und bringen die aussortierten Bücher meist ins Sozialkaufhaus Bad Oldesloe oder Bad Segeberg. Wenn Platz frei ist und ihr schöne Bücher spenden möchtet, könnt ihr gern auch welche reinstellen, aber bitte nicht einfach Kisten unabgesprochen im Flur abstellen 😉 Habt ihr Lust, euch mit um den Bücherschrank zu kümmern? Klasse, dann meldet euch einfach bei Oliver Henkel oder Melanie Otto 🙂

Neben dem Bücherregal im Flur stehen noch andere Regale mit z.B. Flyern von Netzwerkpartnern im Traveraum, touristischen Informationen und Ausflugszielen im Travetraum, ökologischen Reisen und weitere Angebote der Agentur Travetraum.

Hier eine Liste von weiteren Informationen und Karten, teilweise ist auch unser Bücherschrank schon online eingetragen und zu finden:

„Buchgenuss am Fluss“

25.11.2012 Eröffnung offenes Bücherregal im Infopoint im Büro: Der Ideengeber, Buchautor Oliver Henkel aus Lübeck, sagte ein paar Worte zu der Idee und spendete als Startschuss eines seiner neuen Bücher „Die Fahrt des Leviathan“ mit der Inschrift: „Dieses Buch soll sein Dasein im Bücherschrank der Lokfelder Brücke beginnen. Möge es auf seinem Weg von da ab vielen Menschen begegnen, denen es ein wenig Freude bereitet.“
Vielen Dank Oliver! 🙂

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Tipi

2026 haben wir neue 10m-Tipistangen (15 Stück) gekauft und den Aufbau nochmal exakt gelernt. Um die Haut zu schonen, möchten wir es zukünftig häufiger auf- und abbauen. Für das Tipiteam suchen wir weitere Unterstützung, meldet euch gern bei uns, wenn ihr Lust habt mehr über Tipis zu erfahren, zu lernen und mitzumachen.

2025 haben wir ein neues 8m-Inlining gekauft. Damit sind wir wieder in der Lage, aus dem 7m-Tipi ein 8m-Tipi zu machen, wenn der größere Platzbedarf besteht. Die Tipihaut wird dann bis zu einen Meter weiter oben gebunden und nach unten mit dem Inlining verlängert.

2024 haben wir eine neue 7m-Tipihaut gekauft. Die alte Haut war inzwischen mehrfach gerissen, genäht und wieder gerissen. Besonderen Dank an Mahi für das Crowdfunding und alle SpenderInnen! 

Seit 2020 haben wir dieses 8-Meter-Tipi fest in unserem Garten stehen. Da es vorher schon 5 Jahre durchgehend im Hamburger Sachsenwald stand, ist die Tipihaut bereits in die Jahre gekommen. Nach Bedarf können wir ein Inlining einziehen und einen Holzboden einlegen. Es passen bis zu 30 Personen rein. Hier sitzen Kinder und Erwachsene gleichermaßen gern am Feuer, egal ob zu einem Workshop, zum Liederabend, zu einer Zeremonie, zum Übernachten oder einfach nur so, die Atmosphäre ist einfach immer wieder traumhaft schön! 🙂


01.08.2012 bis 2019 haben wir jedes Jahr im Sommer für max. zwei Wochen ein 4-6-Meter-Tipi aufgebaut (aus dem Freundeskreis geliehen von Jörn & Swantje und Jens), für unser „Natur-Kultur-Erlebnis Traveträume“, ein paar einzelne Lagerfeuer-Abende und ein Teambuilding. Geträumt haben wir derweil von einem eigenen und größeren Tipi, das hier häufiger bis ganzjährig stehen kann und uns mehr Raum bietet für viele weitere schöne Aktionen.


10.03.2020 Unser Freund und Vereinsmitglied „schnurstracks Kletterpark“, Geschäftsführer Albrecht Stroop, hat uns sein gebrauchtes 8-Meter-Tipi zum Kauf angeboten. Dies war eine super Gelegenheit für uns, ein eigenes Tipi anzuschaffen, Preis insgesamt 1.785,00 € inkl. MwSt (vergleichbarer Neupreis mind. ca. 3.000 €):

20.03.2020 Die Sparkassen-Stiftung Stormarn hat uns eine Förderung bewilligt von 500,00 € für die Anschaffung dieses Tipis für die Traveträume, vielen vielen Dank dafür, das ist super und freut uns sehr!!! 🙂

30.03.2020 Die AktivRegion Holsteins Herz hat uns ebenfalls eine Förderung bewilligt von 500,00 € aus dem Jugendförderfonds für die Anschaffung dieses Tipis für die Traveträume, auch hier viiieeelen Dank!!! 🙂


26.09.2020 Durch Corona konnten diesen Sommer nicht alle Veranstaltungen wie geplant stattfinden, die den Kauf des Tipis finanzieren sollten. Wir haben aber dank der öffentlichen Spendengelder, Unterstützung aus dem Freundeskreis und ein paar Planänderungen inzwischen alles abwickeln können. Es wäre toll, wenn ihr uns weiterhin finanziell unterstützt, um auch die anderen Projekte noch realisieren zu können:

Hier geht es zu unserem Spendenkonto der GLS-Bank (inkl. Spendenbescheinigungen).

TRAVETRÄUME Natur-Kultur-Erlebnis

Herzlich Willkommen zum Natur-Kultur-Erlebnis „TRAVETRÄUME“ im Treffpunkt Lokfelder Brücke!

 

Liebe Freunde und Verwandte, 

seid herzlich eingeladen im Treffpunkt Lokfelder Brücke an der Trave!

Wir möchten je Jahreszeit gemeinsam mit euch in einem sicheren, liebevollen, kraftvollen und kreativen Raum zusammenkommen, in dem wir eine familiäre Gemeinschaft in Glück und Gesundheit leben können, miteinander und voneinander lernen, unser Bewusstsein stärken und uns sowie diesen Platz weiterentwickeln. Die hügelige ländliche Umgebung, das große Grundstück am Fluss und die Gemeinschaftsräume laden zum Verweilen ein. Besonders am Herzen liegen uns ökologische Themen und gemeinsames Kochen & Essen, Garten & Natur, Wellness & Spiritualität, Spiel & Spaß, Singen & Musizieren, Gestalten & Reparieren, Ausflüge & Verbindungen, …

Das „Programm“ inhaltlich ergibt sich gemeinsam, Details siehe unten unter „Open Space“. Tagesbesucher aus der Nachbarschaft, Freunde aus weit entfernten Kulturen und jede Unterstützung aus dem Netzwerk sind uns willkommen. Bitte merkt euch die Termine vor, sprecht den Urlaub mit Freunden ab, kommt sehr gern zu regelmäßigen Treffen dazu und meldet euch bei Fragen und Ideen, wir freuen uns auf euch und viele schöne Stunden!

„Energieausgleich“: Ca. 20 €/Erw/Tag inkl. Verpflegung (bio-vegan), Übernachtung nach Absprache (z.B. Saal, Zelt, Tipi, Ferien-/Gästezimmer). Preise und Tauschmöglichkeiten für Vereinsmitglieder, Workshops, Zeremonien, Behandlungen, Ausflüge, etc. auf Anfrage. Die Preise und/oder Tausch-/Hilfsmöglichkeiten im Detail stehen auch hier.

Das Ferienprogramm für Kinder ist teilweise extra ausgeschrieben und in Ferienpässen veröffentlicht. Der Schwerpunkt liegt zunehmend auf Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Planung jeweils ca. 2 Wochen in den Ferien (Frühjahr, Sommer, Herbst, Winter):

  • 07-09 Uhr open space
  • 09-10 Uhr Frühstück
  • 10-11 Uhr Redekreis: Lied & Wertschätzung, Befindlichkeit & Organisation
  • 11-13 Uhr open space
  • 13-14 Uhr Mittagessen
  • 14-18 Uhr open space
  • 18-19 Uhr Abendessen
  • 19-20 Uhr Redekreis: Lied & Wertschätzung, Organisation & Befindlichkeit
  • 20-23 Uhr open space

Links zu allen Traveträume-Camps mit Details/Zeitplänen:


Ablauf in Dankbarkeit und Anlehnung an die Sommercamps von Michael Hartl: (https://experimentselbstversorgung.net/veranstaltung-zusammen-organisieren-und-wachsen/)

Beim „open space“, der Methode, nach der wir die Camps hier ablaufen lassen, entscheidet die Gruppe aus dem Bauch heraus, welche Themen gerade die sind, die wichtig zu bearbeiten sind. Und die sind dann auch gut so. Die Themenvielfalt geht von Gemeinschaft und deren solidarisches Wirtschaften, über Sport und Meditation, bis hin zu Märchen und gemeinsamen Musizieren.

Und beim Reflektieren des Sommercamps dachte ich mir, was denn der organisatorische Rahmen ist, den wir da eigentlich spannen. Und wie sieht der menschliche Rahmen aus? Ich fände nämlich fein, wenn es noch viel mehr dieser Events geben würde – nicht nur von uns. Darum mal hier eine Übersicht, welche Methoden ich als besonders hilfreich für das Gelingen unserer Camps empfunden habe.

Open Space

Unsere Camp-Organisation ist stark angelehnt an die Großgruppen-Moderations-Technik „open space“. Wir möchten nämlich, dass die Camps gemeinsam gestaltet werden. Möglichst selbstorganisiert, für verantwortungsvolle und freie Menschen und von ihnen kreativ und inhaltlich gestaltet. Dazu gibt es nach einer Kennenlernphase das gemeinsame Suchen und Festlegen von Themen. Das sieht bei unseren Camps im Kern so aus:

  • Wer mag schlägt ein Thema vor und erzählt kurz, ob sie*er Ahnung vom Thema hat oder Wissen bekommen möchte.
  • Sie*er sagt, ob es ein Redekreis, ein praktischer Workshop oder eine Wanderung sein soll. Oder was jeder und jedem sonst so einfällt als möglicher Ablauf.
  • Sollte sich eine*r anschließen wollen, bei dem Thema aktiv mitzuwirken, also Wissen beisteuern, kann diese Person das kurz anmerken.
  • Das Thema wird aufgeschrieben und das nächste Thema kann vorgestellt werden.
  • Sind alle Themen gesammelt, vergibt jede Person maximal 8 Punkte. Nur 1 Punkt pro Thema. Du musst nicht alle Punkte vergeben.
  • Durch das dadurch entstehende „Interessensranking“ können zwei oder drei Freiwillige die am meisten nachgefragten Themen auswählen und in den Wochenplan einordnen. Wir planen Vormittag und Nachmittag je ein Thema. Und passende wie Jam-Sessions oder bestimmte Redekreise oder Workshops werden abends eingeplant.

Abwandlung: Wie oben beschrieben werden zu Beginn gleich die Themen für die ganze Woche festgelegt. Vielleicht versuchen wir aber auch, nur zwei Tage zu planen und dann am Ende der zwei Tage die noch nicht behandelten Themen neu zu bewerten. Oder Themenbereiche zu machen, wie „praktischer Workshop“, „körperliches“, „seelisches“, „Redekreise“ und „Unterhaltung“, damit selbst wenn alle Redekreise hoch spannend sind und daher die meisten Punkte bekommen, auch Platz bleibt für praktisches.

Wer mehr zu open space als Methode erfahren will, kann sich hinter den Links eine kurze (https://web.archive.org/web/20140305191345/http://www.openspaceworld.org/german/index.html) oder eine lange (https://de.wikipedia.org/wiki/Open_Space) Beschreibung dazu durchlesen.

Redekreise

Der Tag beginnt nach dem Frühstück und endet nach dem Abendessen mit einem großen Redekreis, zu dem alle kommen sollen, die am Camp teilnehmen. Hier geht es um zwei Punkte: Befindlichkeit und Organisatorisches.

Für einen Redekreis sitzen alle in einem Kreis. Eine Moderatorin begrüßt kurz alle, sagt, welche Runde nun ansteht und gibt dann das Wort an die Person, die den stärksten Impuls spürt, etwas zu sagen. Von dort aus wird das Wort – oder wenn gewünscht auch ein Redestab oder anderer Gegenstand – im Uhrzeigersinn reihum gegeben. Dabei spricht nur die Person, die an der Reihe ist, bzw. den Rede-Gegenstand hat, und alle anderen hören aufmerksam zu.

Befindlichkeitsrunde

In der Befindlichkeitsrunde, die am Morgen die Eröffnung macht und am Abend das Ende des Redekreises, kann jede*r äußern, wie es ihr*ihm geht, was gerade in mir passiert oder wie ich mich in der Gruppe fühle. Einfach, was gerade auf dem Herzen liegt oder um es herum tanzt und fliegt. Am ersten Tag sind die Äußerungen oft nur kurze „Ja, eh gut. Passt alles. Danke.“. Aber zum Ende der Woche hin öffnen sich die meisten Menschen immer mehr – was ein schnelles und gutes Gespür für die anderen entstehen lässt und einen besonderen Beitrag für das Gemeinschaftsgefühl leistet.

Organisationsrunde

Die Organisationsrunde ist für alle Punkte rund um das Camp und den Ablauf. Diese ist besonders wichtig, da sich das Camp ja so gut wie möglich selbst organisieren soll. Hier ist Platz für Fragen oder Anmerkungen zu den Zeitplänen, zum Essen oder dem Nachkaufen von Zutaten, Anliegen zur Sauberkeit oder für Anmerkungen, was noch wichtig wäre für die Kinder, etc. Und auch hier lässt sich meist über die Woche eine interessante Entwicklung beobachten: Sind es am Anfang noch hauptsächlich die Moderator*innen und Gastgeber*innen, die Punkte anmerken, verteilt sich das zum Ende der Woche auf immer mehr Teilnehmende. Die damit zu aktiven Gestalter*innen werden. Eines unserer großen Ziele: Menschen ermächtigen, sich gemeinsam selbst zu organisieren.

Gemeinsames Kochen und Essen

Wenig erlebe ich als so wertvoll und zusammenführend, als gemeinsames zubereiten und verzehren von gutem, gesunden Essen. Es liegt Magie in diesem Prozess, wo aus unterschiedlichsten Zutaten etwas erschaffen wird, dass Eigenschaften hat, die keine der Zutaten selbst hatte. Es liegt Liebe in diesem Tun, denn wenn wir für Menschen gutes Essen zubereiten, die uns mehr und mehr bedeuten, machen wir das mit Hingabe. Und es liegt so viel soziales in diesem Prozess, denn wir tauschen uns aus, erschaffen gemeinsam etwas und genießen es danach miteinander.

Daher nimmt bei uns das Zubereiten des Essens einen hohen Stellenwert ein und alle, die möchten, können sich einbringen. Es ist nichts notwendiges, das im Rahmen einer Camp-Organisation eben erledigt gehört, sondern es ist integraler Bestandteil dessen, was hier in der Woche abläuft. Und ebenso wird das gemeinsame Essen als wichtig gesehen.

Anmerkung Menie: Ich liebe die makrobiotische Küche und freue mich auf die Zeit zum Kochen mit euch, über Austausch und Gleichgesinnte. Dies ist kein Muss aber es wäre schön, wenn wir zumindest überwiegend bio, vegan, regional, saisonal und natürlich kochen 🙂

Lagerfeuer und Musik

Klar, einerseits kochen wir über dem Feuer. Aber das Feuer ist auch zentrale Anlaufstelle hier und zieht sowieso seit jeher Menschen einfach an. Alle sitzen am Feuer, reden, lachen, spielen Musik und starren manchmal gedankenverloren in die Flammen.

Mehr muss ich zum Lagerfeuer und der Musik glaube ich nicht schreiben. Wer nicht tief in sich spürt, warum das so wichtig ist: Hinaus mit Dir heute Abend! Nimm ein paar Menschen mit und entzündet ein Lagerfeuer!

Der Mindset fürs Wohlfühlen

Mich freut ganz besonders, dass in den Feedbacks immer wieder die Rede von der Besonderheit dieses Ortes die Rede ist. Wie wohl und sicher sich hier die meisten Menschen fühlen. Und viele sehen die Ursache in den hier lebenden Personen. Das schmeichelt natürlich, aber ich denke, dass alle Menschen, die das wirklich wollen, einen solchen Rahmen schaffen können. Dazu gibt es aus meiner Sicht ein paar simple Ansätze – die gerne auch den Teilnehmenden kommuniziert werden können – und die nicht nur auf einem solchen Camp zählen:

  • Alle Menschen, die da sind, sind genau die richtigen.
  • Die Themen, die gemeinsam gefunden werden, sind die jetzt wichtigen.
  • Wir haben Zeit. Für alles. Und alles passiert dann, wenn die Zeit reif ist und läuft so lange, wie es sich stimmig und richtig anfühlt.
  • Sei offen für Veränderungen – und passe Dich flexibel an. Wie beim improvisierten Tanzen!
  • Gib Dich hin – sowohl der Veranstaltung, als auch den dort befindlichen Menschen.
  • Sei präsent und höre bewusst zu.

Anmerkung Menie zu den Zeremonien:

Da einige von uns ein Leben mit Zeremonien führen wird die eine oder andere Schwitzhütte auch in dieser Campzeit stattfinden und ggf. die Wassertrommel gespannt. Eine gute Möglichkeit zum Kennenlernen, falls ihr dies noch nie erlebt habt ;-). Aber an alle die oft bei indianischen Zeremonien sind: Diese Zeit ist offen für alle Kulturen und gerade auch für den Austausch unter uns gedacht, der sonst manchmal etwas zu kurz kommt 🙂


Fotos:

27.05.12 Lesung mit Oliver Henkel: „Die Fahrt des Leviathan“

Oliver Henkel ist Mitglied in unserem Travetraum-Netzwerk. 2011 hat er die Novelle „Slawendämmerung“ zu unserem Filmprojekt „Deus Vult“ geschrieben. Seid herzlich eingeladen:

Fotoalbum der Veranstaltung:

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